Anfang

Die Entstehungsgeschichte seit 1997

Mit einer merkwürdigen Mischung von Beruhigung und Vorfreude beobachten die im Fachbereich Architektur der TUD Lehrenden seit 1997 alle Jahre wieder die ersten Aktivitäten zur neuen Ausstellung „Sichten“.

Die Idee

Bei einem architektonischen Gespräch unter Studierenden auf dem Balkon einer Darmstädter Wohnung war damals die Idee geboren worden, nach dem Vorbild der Architectural Association in London eine Jahresausstellung von Studienarbeiten durch die Studierenden selbst zu organisieren, um allen Kommilitoninnen und Kommilitonen einen gemeinsamen Überblick über die in zwei Semestern erbrachten Leistungen und aktuelle Konzepte aus der Entwurfslehre im Fachbereich zu vermitteln.

Sichten 01 – 1997

Geplant war die erste Ausstellung „Sichten“ 1997 als öffentliches Ereignis auf den verschiedenen Ebenen der großen Halle im Architekturgebäude auf der Lichtwiese, doch wurde sie aus Gründen der Sicherheit für die Exponate schließlich in den Unterstufen-Arbeitssälen gezeigt: Mit Hilfe der Fachschaft und vielseitiger Unterstützung wurde schon die erste Ausstellung, zu der bereits ein umfangreicher Katalog erschien, ein unerwarteter Erfolg, der eine solche Ausstellung auch für die nächsten Jahre unverzichtbar erscheinen ließ.

Sichten 02 – 1998

Nach einem Aushang zur Meldung von Interessierten an der nächsten Aktion „Sichten“ 1998 bildete sich wieder ein tatkräftiges Team, dem nun sogar gelang, was die vorherige Gruppe nicht geschafft hatte: die Ausstellung auch im großen Lichthof auf Galerien über drei Geschosse zu zeigen, mit Vitrinen im Eingangsbereich des Erdgeschosses und auf den Galerien darüber. Verbunden wurden die Exponate durch ein silbernes Kunststoffband, das gleichsam als Leitfaden wirkte; auch konnte nach intensiver Werbung um finanzielle Unterstützung 1998 wieder ein opulenter Katalog hergestellt werden.

Sichten 03 – 1999

Mit dem Ziel, die nächste Ausstellung in die Öffentlichkeit der Stadt zu tragen, wurde „Sichten“ 1999 in der Centralstation präsentiert, in der Kulturhalle mitten im Zentrum Darmstadts, um Bürgerinnen und Bürgern den Zugang zu erleichtern. Zur Eröffnung fand eine Vernissage und Party statt. Um auch im Ambiente der Centralstation einen guten Eindruck zu hinterlassen, wurden die vorhandenen Ausstellungstafeln mit grauem Stoffbezügen verkleidet, neue Verbindungsknoten akquiriert und die Präsentationspodeste schwarz lackiert. Die Anzahl der gezeigten Projekte stieg an. Und der Katalog bot viel weiße Fläche, um den Inhalt der Bilder voll zur Geltung zu bringen. Er wurde erstmals zweisprachig konzipiert, um auch den internationalen Partneruniversitäten einen Eindruck vom Schaffen der Darmstädter Studenten zu ermöglichen.

Sichten – Erwartungen und Vorfreude

Auf diese Weise wurde seit 1997 die Ausstellung mit Katalog in ihrer Qualität Jahr für Jahr gesteigert, und so erklärt sich jene merkwürdige Mischung aus Vorfreude und Beunruhigung, mit der sich die Lehrenden jedes Jahr wieder fragen: Wird sich wieder einer derart engagiert Gruppe von Studierenden finden, so dass innerhalb von weniger Wochen ohne Mithilfe der Professorinnen und Professoren sowie Wissenschaftlichen Mitarbeiter/-innen wieder ein so beeindruckender Querschnitt durch die Arbeit der Fachgebiete erreicht wird wie im vergangenen Jahr? Und wenn ja, kann die Intensität dieses Einsatzes im letzten Jahr überhaupt noch gesteigert werden, da bisher von Ausstellung zu Ausstellung die Standards steig erhöht, die Präsentationsformen verfeinert, die Erwartung erweitert, Raum- und Zeitaufwand vergrößert wurden?

Sichten – eine engagierte Studenteninitiative

So war „Sichten“ eine Initiative der Studierenden selbst, dass auf diese Weise eine Leistungsbilanz jährlich öffentlich vorgestellt werden sollte.

Ausgewählt und präsentiert von den Studierenden nach ihren eigenen Kriterien, jedes Mal durch eine neue Gruppe, die sich auf ein Abenteuer einlässt, ohne Vorerfahrung und ohne jede Routine. Unter wechselseitiger Anleitung wird die Arbeit am Bildschirm optimiert, werden Bilder und Texte eingegeben, in Sekundenschnelle werden am Computer Alternativen für das layout des Katalogs durchgespielt.Bei aller zusätzlicher Belastung neben dem Studium:
Wer an diesem Prozess beteiligt war, wer in diesen Sog eines freiwilligen Engagements mit allen dazu erforderlichen Aufgaben – von der Sponsorenwerbung über die Katalogproduktion bis hin zum Ausstellungsdesign – geraten ist und diese Belastung erfolgreich durchgehalten hat, der konnte in dieser Gruppe mehr lernen als in mancher der üblichen Lehrveranstaltungen mit schmalerem Aufgabenspektrum.